Ralph Lichtensteiger | Glückliche Tage · Projekte · Art Stream · Schreiben · Hören · Links · Guide · Kontakt
ART STREAM | info
Freudenstadt, 6. Oktober 2026
I embrace anarchy. I embrace Mahler's 7th Symphony. I embrace despair. I embrace losing. I embrace failure. I embrace anonymity. I embrace the fragment. I embrace the sketch. I embrace the brilliantly botched. I embrace the detour. I embrace the light. I embrace decay. I embrace old age. I embrace autumn. I embrace the train station in Philadelphia. I embrace Ulysses. I embrace happy days. I embrace melancholy. I embrace the search. I embrace banality. — © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
[00:42] | link to mp3
::: ::: :::
Freudenstadt, 24. September 2026
Ich umarme die Anarchie. Ich umarme die 7. Sinfonie von Mahler. Ich umarme die Verzweiflung. Ich umarme das Verlieren. Ich umarme das Scheitern. Ich umarme die Anonymität. Ich umarme das Fragment. Ich umarme die Skizze. Ich umarme das genial Verpfuschte. Ich umarme den Umweg. Ich umarme das Licht. Ich umarme die Verwesung. Ich umarme das Alter. Ich umarme den Herbst. Ich umarme den Bahnhof in Philadelphia. Ich umarme den Ulysses. Ich umarme die glücklichen Tage. Ich umarme die Melancholie. Ich umarme das Suchen. Ich umarme die Banalität. — Ich umarme... © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
::: ::: :::
Freudenstadt, 21. September 2026
RL:
Hat sich Marshall McLuhan mal zu KI geäußert? Recherchieren, ob McLuhan sich zu künstlicher Intelligenz äußerte.
claude [dot] ai:
Nicht zu "KI" im heutigen Sinn, aber zu Computern und Automation, und das kommt dem ziemlich nah. McLuhan starb 1980, lange vor dem Deep-Learning-Boom, und der Begriff "künstliche Intelligenz" spielt bei ihm kaum eine Rolle.
Computer als Erweiterung des Bewusstseins: In Die magischen Kanäle (Understanding Media, 1964) beschreibt er die Elektrizität als Erweiterung des Zentralnervensystems. Gegen Ende des Buches spricht er davon, dass wir uns der letzten Phase dieser Erweiterungen nähern, nämlich der technischen Simulation des Bewusstseins. Der kreative Erkenntnisprozess werde dann kollektiv auf die ganze Gesellschaft ausgedehnt. Das ist die Stelle, die heute am häufigsten mit KI in Verbindung gebracht wird.
Automation: Im Kapitel über Automation ("Learning a Living") argumentiert er, dass automatisierte Arbeit weniger Spezialisierung und mehr Mustererkennung, Lernen und Rollenvielfalt verlangt. Arbeit und Lernen würden verschmelzen. Kritische Töne: Er sah Technologien auch als Amputationen. Jede Erweiterung betäubt (er nennt das "Narkose") gerade die Fähigkeit, die sie auslagert. Auf KI übertragen wäre das die Frage, was mit unserem Denken passiert, wenn wir es outsourcen. In Interviews, etwa dem berühmten Playboy-Interview von 1969, warnte er außerdem, dass wir Technologien meist erst verstehen, wenn ihre Wirkung längst da ist.
Spätwerk: In Laws of Media (1988, posthum mit seinem Sohn Eric veröffentlicht) wendet er sein Tetrad-Modell (erweitern, veralten lassen, wiederbeleben, ins Gegenteil kippen) auf viele Medien an, auch auf den Computer.
Ob er sich direkt zu Maschinen geäußert hat, die eigenständig Sprache erzeugen, kann ich nicht sicher sagen, das wäre nach meinem Wissen Interpretation. Für die Rezeption lohnt sich ein Blick in neuere Aufsätze, in denen McLuhan auf ChatGPT und Co. angewendet wird. Ich kann dazu gern recherchieren.
RL:
Kann man McLuhans Vision eines "global village" heute noch positiv beschreiben?
claude [dot] ai:
Ja, aber nicht ganz so, wie der Begriff oft verstanden wird. McLuhan selbst hat das "global village" nie als reine Utopie gemeint. Er betonte, dass ein Dorf nicht Harmonie bedeutet, sondern Nähe, und Nähe erzeugt auch Reibung, Klatsch, Vorurteile und Stammesdenken. Nach seiner Beschreibung führt die elektronische Vernetzung zu mehr Beteiligung, aber auch zu mehr Konflikt. Das "positiv" hängt also davon ab, was man daran positiv findet.
Was sich positiv beschreiben lässt: * Zugang und Teilhabe: Wissen, das früher an Institutionen und Orte gebunden war, ist für sehr viele Menschen abrufbar. Projekte wie Wikipedia oder offene Software zeigen kollektive Wissensproduktion, die McLuhans Idee vom gemeinsamen, vernetzten Bewusstsein recht nahekommt. * Verbundenheit über Distanz: Familien, Diasporagemeinschaften und Interessengruppen bleiben in Kontakt, und Menschen mit seltenen Anliegen finden einander. * Gleichzeitigkeit und Empathie: Krisen, Proteste oder Katastrophen werden in Echtzeit sichtbar, was Hilfe und Solidarität mobilisieren kann. Das entspricht seiner Vorstellung, dass wir uns nicht mehr aus der Verantwortung für entfernte Ereignisse herausdenken können.
Was die positive Lesart dämpft: * Retribalisierung: McLuhan sah voraus, dass sich Menschen in der Überflutung an Gruppenidentitäten klammern. Filterblasen und Polarisierung passen erstaunlich gut dazu. * Kommerzielle Steuerung: Sein Dorf war ein Bild für offene Gleichzeitigkeit. Heute entscheiden Plattformen und Algorithmen, wer was sieht, und das ist eher ein Dorf mit einem privaten Betreiber. * Überwachung: Wo jeder alles sehen kann, ist auch alles beobachtbar, und ein Dorf kennt kein Privatleben.
Eine ehrliche positive Beschreibung wäre daher wohl diese: Das global village hat Möglichkeiten geschaffen, die McLuhan vorhergesehen hat, nämlich Nähe, Beteiligung und kollektives Wissen. Ob daraus Verständigung wird, hängt von Kultur, Regeln und Medienkompetenz ab, nicht von der Technik selbst. Das entspricht auch der Frage, mit der dein Ausgangstext endet: Was wollen wir mit der Zeit anfangen, die wir haben?
RL:
Trifft es zu, dass es den westlichen Gesellschaften nicht gelungen ist, das Projekt "Aufklärung" oder "Zusammenarbeit" oder "Solidarität und globale Teamarbeit" in positive Aktion zu bringen? Angesichts der Tendenz zu Autoritarismus und Demokratieskepsis könnte man annehmen, dass die Idee "global village" gescheitert ist?
claude [dot] ai:
Die Diagnose trifft teilweise zu, aber "gescheitert" ist eine zu grobe Kategorie.
Was für die These spricht: * Mehrere Demokratie-Indizes (V-Dem, Freedom House, Economist Democracy Index) zeigen seit gut anderthalb Jahrzehnten eine Stagnation oder einen Rückgang demokratischer Qualität, auch in etablierten Demokratien. * Der Optimismus der 1990er und frühen 2000er, dass Vernetzung und Handel fast automatisch zu Offenheit und Verständigung führen, hat sich nicht bestätigt. Autoritäre Staaten haben gelernt, digitale Technik für Kontrolle und Propaganda zu nutzen. * Bei globalen Aufgaben wie Klima, Pandemie oder Verteilungsfragen bleibt die Zusammenarbeit oft hinter dem Nötigen zurück, und nationale Egoismen sind zurück.
Was dagegen spricht: * Der Vergleich hängt am Maßstab. Gemessen an einer Utopie ist fast alles gescheitert, gemessen an der Zeit vor 1945 oder 1989 sieht die Bilanz gemischter aus. Menschenrechtsnormen, internationale Institutionen, wissenschaftliche Kooperation und humanitäre Hilfe existieren in einem Ausmaß, das früher undenkbar war. Auch Armut und Kindersterblichkeit sind global stark gesunken. * "Der Westen" ist kein einheitlicher Akteur. Neben Demokratieskepsis gibt es starke Zivilgesellschaften, Proteste für Rechtsstaatlichkeit und Wahlergebnisse, die Autoritarismus bremsen. * Krisen sind nicht automatisch Scheitern. Die Aufklärung selbst war von Anfang an ein widersprüchlicher Prozess. Die Kritik von Adorno und Horkheimer (Dialektik der Aufklärung) oder Habermas' Formel vom "unvollendeten Projekt der Moderne" verstehen sie als etwas, das dauernd neu erarbeitet werden muss.
Der Punkt bei McLuhan: Er hätte die heutige Lage vermutlich nicht als Scheitern des global village gelesen, sondern als dessen Normalzustand. Ein Dorf ohne Distanz erzeugt Nähe und Stammesdenken, Beteiligung und Konflikt. Dass Demokratieskepsis, Polarisierung und Identitätspolitik gerade jetzt wachsen, passt also zu seiner Beschreibung besser als zu der Vorstellung, Vernetzung führe von selbst zu Aufklärung.
Eine präzisere Formulierung wäre daher: Das global village ist als technische und kommunikative Realität eingetreten, aber die politischen und kulturellen Formen, die damit gut umgehen können, sind noch nicht ausgebildet. Ob das ein vorübergehender Rückschlag oder eine dauerhafte Entwicklung ist, lässt sich nach meiner Einschätzung noch nicht sagen, und Fachleute streiten darüber ernsthaft. Optimistische Stimmen verweisen auf frühere Rückschläge, die überwunden wurden, pessimistische darauf, dass es keine Garantie für eine Wiederholung gibt.
::: ::: :::
Freudenstadt, 9. September 2026

Variation [Edvard Munch, Das Geschrei 1895]. Gouache on paper | vergrössern © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
::: ::: :::
Freudenstadt, 4. September 2026

Stockhausen LP [wergo] | vergrössern © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
::: ::: :::
Freudenstadt, 3. September 2026

Landschaft [Wittlensweiler] | vergrössern © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
::: ::: :::
Freudenstadt, 2. September 2026
Glückliche Tage in Freudenstadt (Schwarzwald).
::: ::: :::

from failure to failure (revolutionized) [Gouache on paper] | vergrössern © 2026 Ralph Lichtensteiger · All Rights Reserved.
::: ::: :::
Freudenstadt, 1. September 2026
signs [2011] · Lichtensteiger/Koehler · guitar, gong, turntable, sound design and montage [Pro Tools LE]
[00:14:53] | link to mp3
::: ::: :::
::: ::: :::
archive | 2025/2024/2023/2022/2021/2020/2019/2018/2017/2016/2015/2014/2013/2012
::: ::: :::